Kreuzwegandacht
der Männerschola

Begrüßung/Einführung

Liebe Gemeinde,
unsere heutigen Kreuzwegbilder hängen in der Kirche St. Johannes in Großenbuch, einer kleinen Ortschaft in der Nähe von Neunkirchen am Brand. Der Kreuzweg stammt vom Bildhauer Felix Müller, der 1904 in Augsburg geboren wurde.
Er lebte bis 1940 in Laubendorf – einem Gemeindeteil der Stadt Langenzenn – und wohnte nach dem Krieg und französischer Gefangenschaft ab 1948 in der oberfränkischen Gemeinde Neunkirchen am Brand, wo er 1997 verstarb.
Geprägt von den Kriegsbildern, all dem erlebten Leid und den vielen Kreuzen auf den Soldatenfriedhöfen, gestaltete er verschiedene Kreuzwege.
In einer Erklärung zu den Kreuzwegen schreibt Felix Müller:
„Dort in Frankreich hatte ich Gelegenheit die großen Soldatenfriedhöfe der Weltkriege zu besuchen. 10, 20, 30 000 Tote liegen hier unter der Erde. Darüber aber Kreuz an Kreuz. Eines steht neben dem anderen. Aufrecht. All dies ist ein großer Kreuzweg. Ein Kreuzweg, den jeder einzelne von ihnen gegangen ist, nein, gehen musste.
So auch hier: Die Kreuze stehen aufrecht wie ein mahnendes Zeichen der gewaltigsten Passion.“ (Quelle: Felix-Müller-Museum, Neukirchen am Brand)
Auch für die St.-Marien-Kirche in Langenzenn erschuf der Bildhauer 1950/51 vierzehn Kreuzwegstationen, die später jedoch von der Gemeinde nicht gut angenommen wurden und bis auf eine Station zum Großteil leider heute nicht mehr auffindbar sind. Felix Müller gestaltete daraufhin in den späten 50er-Jahren noch einen weiteren Kreuzweg für die St.-Marien-Gemeinde in Langenzenn, der beim Neubau der Kirche übernommen und ins Mauerwerk mit eingesetzt wurde.
Die Kreuzwegmotive, die uns heute durch die Kreuzwegandacht begleiten, wurden von Felix Müller 1968 angefertigt.
Lassen Sie sich nun darauf ein, unseren Gedanken zu den 14 Stationen zu folgen, und geben Sie ebenso Ihren eigenen Gedanken den notwendigen Freiraum.
Betrachten wir zusammen, wie Jesus aus Liebe zu uns leidet, und beginnen wir
+ im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

1. Station: Jesus wird zum Tod verurteilt

 
Der Evangelist Matthäus schreibt (Mt 27, 11-15; 27, 20-24.27.26):
Als Jesus vor dem Statthalter stand, fragte ihn dieser: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Du sagt es. Als aber die Hohepriester und die Ältesten ihn anklagten, gab er keine Antwort. Da sagte Pilatus zu ihm: Hörst du nicht, was sie dir alles vorwerfen? Er aber antwortete ihm auf keine einzige Frage, sodass der Statthalter sehr verwundert war. Jeweils zum Fest pflegte der Statthalter einen Gefangenen freizulassen, den das Volk verlangte. Damals war gerade ein berüchtigter Mann namens Jesus Barabbas im Gefängnis. Pilatus fragte nun die Menge, die zusammengekommen war: Was wollt ihr? Wen soll ich freilassen, Jesus Barabbas oder Jesus den man den Christus nennt? Inzwischen überredeten die Hohepriester und die Ältesten die Menge, die Freilassung des Barabbas zu fordern, Jesus aber hinrichten zu lassen. Der Statthalter fragte sie: Wen von beiden soll ich freilassen? Sie riefen: Barabbas! Pilatus sagte zu ihnen: Was soll ich dann mit Jesus tun, den man den Christus nennt? Da antworteten sie alle: Ans Kreuz mit ihm! Er erwiderte: Was für ein Verbrechen hat er dann begangen? Sie aber schrien noch lauter: Ans Kreuz mit ihm! Als Pilatus sah, dass er nichts erreichte, sondern dass der Tumult immer größer wurde, ließ er Wasser bringen, wusch sich vor allen Leuten die Hände und sagte: Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen. Darauf lies er Barabbas frei, Jesus aber ließ er geißeln und lieferte ihn aus zur Kreuzigung.

Bildbetrachtung:
Aufrecht stehende Kreuze teilen die Bilder des Künstlers in vier gleiche Teile. Links oben ein strenges kantiges Gesicht von der Seite betrachtet. Der Schädel kahl, Auge, Nase und Mund stoßen direkt ans Kreuz, die Ohren sind nur angedeutet. Deutlich sind links unten die Hände zu erkennen. In der linken Hand vielleicht ein Tuch. Es ist Pilatus, der seine Hände wäscht. Auf der rechten Seite sehen wir Jesus gekrönt mit der Dornenkrone. Das Gesicht ist von der Folterung bereits gezeichnet. Der Blick ist leer. Die gefesselten Hände sind nach oben gestreckt.
Welche Rolle spielt Pilatus? Beugt er sich nur der aufgebrachten Menge? Oder ist er ein geschickter Manipulator, der das Geschehen nach seinen Wünschen gestaltet. Matthäus beschreibt die Situation sehr ausführlich. Bereits am Morgen hetzen die Hohepriester und die Ältesten die Menge auf, noch bevor Jesus zu Pilatus gebracht wird. Pilatus nutzt diesen Mob und heizt die Situation noch an, indem er der Menge eine scheinbare Auswahl zwischen Jesus und Barabbas lässt. Aber hätte er das Volk überhaupt wählen lassen müssen? Kraft seiner Stellung hätte er Jesus einfach freilassen können. Es war eine bewusste Strategie, bei der die Mächtigen Jerusalems und Pilatus zusammenwirken. Ein perfektes Beispiel für Massenmanipulation, wie wir sie auch heute erleben. Und das aufgehetzte Volk bemerkt den Rollentausch des Pilatus nicht und fühlt sich als Entscheidungsträger. Wir sind das Volk! Eine Entscheidung, die es von sich aus nicht getroffen hätte und auch gar nicht hätte treffen können. Diese Befugnis hatte nur Pilatus. Oder war es einfach nur durch Gott vorbestimmt?

Wir wollen beten:
Guter Gott, 
bewahre uns davor. andere zu manipulieren und schenke uns die Weisheit, Manipulationen durch andere zu erkennen. Bewahre uns davor, andere zu verurteilen, obwohl ihre Schuld nicht feststeht. Gib uns die Kraft, Verantwortung zu übernehmen und diese nicht auf andere abzuwälzen.
Zu dir rufen wir: Erbarme dich unserer Unvollkommenheit.
GL 156 Kyrie…

Zugehörige Liedstrophe:
Ich sehe dich, o Jesus, schweigen, / da dich die Welt verdammt zum Tod; /
ach, lass dich zum Erbarmen neigen, / wenn du als Richter kommst, o Gott.

 

2. Station: Jesus wird gegeißelt und muss sein Kreuz tragen

Im Evangelium des Johannes lesen wir (Joh 19, 16b-17):
Da lieferte er ihnen Jesus aus, damit er gekreuzigt würde. Sie übernahmen Jesus. Und er selbst trug das Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Sch
ädelstätte, die auf Hebräisch Golgota heißt.

Bildbetrachtung:
Auf dem Bild dominiert das aufrecht stehende Kreuz, welches sofort ins Auge fällt. Hinter dem Kreuz ist Jesus zu sehen. Er hält sich mit einer Hand den Kopf, auf dem die spitzen Dornen der Dornenkrone zu erkennen sind. Seine Augen sind geschlossen; er ist in sich gekehrt und leidet unter den Schmerzen.
Aber seine andere Hand unten im Bild ist ganz weit geöffnet – so, als wollte er uns auffordern, etwas von uns in seine Hand zu legen und ihm mitzugeben.
Jesus nimmt selbst das Kreuz auf sich, leidet unter den Qualen der Geißelung, und auch in dieser Situation ist er noch offen und bereit, unsere Ängste und Verzweiflung mit aufzunehmen und mitzutragen.
Welche Lasten bedrücken mich aktuell oder schon über längere Zeit? Gibt es etwas, was ich jetzt, hier und heute, in seine Hand legen und somit Gott anvertrauen möchte?
Gott ist jederzeit bereit, uns mit unseren Nöten und mit allem, was uns bedrückt, anzuhören und uns dabei zu helfen, auch unser tägliches Kreuz zu tragen.

Wir wollen beten:
Guter Gott,
Ängste, Schmerzen und Verzweiflung bedrücken manche von uns Tag für Tag. Und bei all den vielen und schnellen politischen Veränderungen habe ich den Eindruck, dass es immer schwerer wird, dies alles zu ertragen.
Trotz seiner eigenen Qualen steht Jesus mit offener Hand vor uns und fordert uns auf, jederzeit all unsere Anliegen dir anzuvertrauen.
Hilf uns, diese Offenheit zu erkennen und im Gebet die Nähe bei dir zu finden.
Zu dir rufen wir: Erbarme dich unserer Unvollkommenheit.
GL 156 Kyrie…

 Zugehörige Liedstrophe GL 779,2:
Ich sehe dich das Kreuz umfangen, aus Liebe trägst du alle Schmach;
so bist du selbst mir vorgegangen, ich folge dir, mein Jesus, nach.

 

3. Station: Jesus fällt zum ersten Mal

Hören wir, was Paulus in seinem 2. Brief  an die Gemeinde in Korinth schreibt (2 Kor 12,9-10):
Er [der Herr] aber antwortete mir; Meine Gnade genügt dir; denn die Kraft wird in der Schwachheit vollendet. Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt. Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, bin ich stark. 

Bildbetrachtung:
Das Bild ist auf den ersten Blick durch das dominante dunkle Holzkreuz geprägt. Nach meiner Ansicht will der Künstler, in seiner kurzen Erklärung, die er selbst über diesen Kreuzweg geschrieben hat, auf die massenhaften Kreuze der französischen Soldatenfriedhöfe aufmerksam machen. 
Er schreibt: „All dies ist ein einziger großer Kreuzweg. Ein Kreuzweg, den jeder einzelne von ihnen gegangen ist, nein, gehen musste.“ 
Dieses zentrale Kreuz rückt im weiteren Verlauf des Kreuzweges in den Hintergrund.
In der Bildtafel rechts oben erkennen wir das Gesicht des unter Schmerzen zusammen-gebrochenen Jesus. Die Hand an seinen Kreuzbalken ist hilfesuchend nach oben gerichtet. Das Gesicht, den Blick nach unten gerichtet. Im Quadranten darunter die unter der Last des Kreuzes geknickten Beine.
Während an der linken unteren Tafel, scheinbar aus dem Nichts, eine helfende, geöffnete Hand sich zu ihm streckt.Sind es eventuell, wie Paulus an seine Gemeinde in Korinth schreibt, die bejahende Ohnmacht, die Misshandlungen, denn die Kraft der Gnade wird die Schwachheit durch Verwandlung in Kraft vollenden.     

Wir wollen beten:
Guter Gott, 
lass die Schwachheit und die daraus resultierenden Ängste in unserem täglichen Leben nicht überhandnehmen.
Hilf uns, wie Paulus an seine Gemeinde schreibt, dieser Ohnmacht nicht zu erliegen, sondern daraus die Kraft zu schöpfen, diese Schwachheit in Stärke zu verwandeln. 
Zu dir rufen wir: Erbarme dich unserer Unvollkommenheit.
GL 156  Kyrie…

Zugehörige Liedstrophe:
Du fällst, o Jesus hin zur Erde, dich drücket meiner Sünde Last;
o dass mein Herz erweichet werde, da du so viel gelitten hast.

 

4. Station: Jesus begegnet seiner Mutter

Beim Evangelisten Lukas lesen wir von der Begegnung des greisen Simeon mit dem kleinen Jesus und seinen Eltern bei der Darstellung im Tempel (Lk 2,34f):
Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu:
Siehe, dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele zu Fall kommen und aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird, und deine Seele wird einSchwert durchdringen.   

Bildbetrachtung:
Das Bild zeigt uns zwei Menschen - den dornengekrönten Jesus und seine Mutter. Sie ist gekommen und nun stehen sie sich sehr nahe, Gesicht an Gesicht - aber durch das Kreuz scheinbar doch auf Distanz gehalten. Natürlich verbindet Mutter und Sohn sehr viel von Geburt an. Es wird aber in den Evangelien auch von Distanz und Unverständnis berichtet z.B. (bei Mk 3,33) „Wer ist meine Mutter, wer sind meine Brüder?“ Für die Mutter kaum zu verstehen.
Doch jetzt ist Maria da, will ihrem Sohn ganz nahe sein. 
Auf dem Bild sind Augen und Mund geschlossen, keine Regung ist zu bemerken.
Was sie jetzt empfinden und denken, können wir nur ahnen: Angst, Schmerz, Hilflosigkeit, Traurigkeit, Vertrauen, Liebe. 

Wir wollen beten:
Herr Jesus Christus, du warst dem Willen deines himmlischen Vaters gehorsam und bist den Weg des Erlösers gegangen, manchmal getrennt von deiner irdischen Familie, und hast das Kreuz auf dich genommen. Hilf uns, wenn wir auf unserem Lebensweg fallen oder nicht weiterwissen, wenn uns Angst, Schmerz, Hilflosigkeit stumm machen. Dein Gottvertrauen soll uns dann ein Vorbild sein, unser Kreuz anzunehmen.Uns selber hilf, nahe sein zu können, wenn uns in einer bedrückenden Situation die Worte für unseren Mitmenschen fehlen. 
Zu dir rufen wir: Erbarme dich unserer Unvollkommenheit.
GL 156 Kyrie…

Zugehörige Liedstrophe:
O Sohn, o Mutter, eure Herzen sind ganz versenkt in Traurigkeit;  
ach, teilet mit mir alle Schmerzen. lasst mich empfinden euer Leid. 

 

5. Station: Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz zu tragen

Bei Matthäus lesen wir: (Mt 27, 31b-32):
Dann führten sie Jesus hinaus, um ihn zu kreuzigen. Auf dem Weg trafen sie einen Mann aus Zyrene namens Simon; ihn zwangen sie, sein Kreuz zu tragen.

Bildbetrachtung:
Simon von Zyrene dominiert dieses Bild. Kräftig zupackend umfasst er den Querbalken. Dass diese Last nicht einfach ist, erkennen wir an der zur Seite geneigten Haltung des Kopfes. Das eine Bein gebeugt, das andere ausgestreckt macht er sich auf den Weg. Jesus ist erschöpft. Er legt sein Haupt auf die Schulter von Simon. Seine Hände umklammern den Arm von Simon. Gemeinsam - quasi Hand in Hand - gehen sie nach Golgotha. Simon war nicht der barmherzige Samariter, der einen leidenden Menschen sieht und zur Hilfe eilt. Nein, er war ein Landarbeiter aus dem Norden Afrikas, der nach Jerusalem gekommen war, um Arbeit zu finden. Nun kommt er nach getaner Arbeit vom Feld und begegnet diesem Zug mit drei zum Tode Verurteilten. 
Einer ist total ermattet und kann sein Kreuz nicht mehr tragen. Die Soldaten erblicken Simon, kräftig, ein Fremder, nicht von hier. Und schon greifen sie nach ihn und zwingen ihn, diesem Mann das Kreuz abzunehmen. Widerstand gegen die Soldaten ist zwecklos. Jesus und Simons Blicke begegnen sich. Simon sieht das geschundene blutverschmierte Antlitz und merkt instinktiv, dass er hier helfen muss. Und scheinbar dankbar nimmt Jesus diese Hilfe an.
Gaffer und Neugierige gab es genug am Wegrand. Keiner wollte helfen. Vielleicht haben sie sich gefreut, nicht betroffen zu sein oder sie waren von diesen schaurigen Vorgängen fasziniert. Auch heute erleben wir, dass Gaffer an Unfallstellen die Rettungskräfte behindern und Aufnahmen mit ihren Smartphones machen. Was wollen sie damit? Das Leid eines anderen teilen? Sicherlich nicht! Es ist reine Sensationsgier.

Wir wollen beten:
Guter Gott, 
hilf uns die Not anderer Menschen zu erkennen. Gib uns die Bereitschaft, freiwillig zu helfen. Befreie uns von Egoismus und Gleichgültigkeit und lass uns dort helfen, wo unsere Unterstützung gebraucht wird.
Zu dir rufen wir: Erbarme dich unserer Unvollkommenheit.
GL 156 Kyrie…

Zugehörige Liedstrophe:
Das Kreuz will niemand mit dir tragen, du trägst allein all unsre Schuld; 
du könntest billig dich beklagen, du schweigst und trägst es mit Geduld.

 

6. Station: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

Hören wir aus dem atl. Buch der Weisheit (Weish 2,18-23):
Ist der Gerechte wirklich Sohn Gottes, dann nimmt sich Gott seiner an und entreißt ihn der Hand seiner Gegner. Durch Erniedrigung und Folter wollen wir ihn prüfen, um seinen Gleichmut kennenzulernen und seine Widerstandskraft auf die Probe zu stellen.
Zu einem ehrlosen Tod wollen wir ihn verurteilen; er behauptet ja, es werde ihm Hilfe gewährt. So denken sie, aber sie irren sich; denn ihre Schlechtigkeit macht sie blind. Sie verstehen von Gottes Geheimnissen nichts, sie hoffen nicht auf Lohn für Heiligkeit und erwarten keine Auszeichnung für untadelige Seelen. 
Denn Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht.

Bildbetrachtung:
Wir sehen eine zärtlich erscheinende Veronika, die aufschaut und Jesus ein Tuch reicht, um seine Tränen, seinen Schweiß und sein Blut zu trocknen. Sie kann das Kreuz nicht abnehmen, das Urteil nicht stoppen. Aber sie gibt Jesus für einen Moment seine Würde zurück.  Merkwürdig: Wieder ist es eine Frau, die den Mut hat, den Zug zur Hinrichtung trotz der schweren Bewachung durch die Römer aufzuhalten und sich dem zum Tode Verurteilten zuzuwenden. Von den Männern ist nirgends die Rede. 
Vielleicht haben Sie noch den Text des vorhin zitierten Weisheitsbuches im Ohr? Verwunderlich, dass hier fast schon prophetisch ausgesprochen wird, was mit Jesus geschieht. Besonders aber der letzte Satz lässt mich aufhorchen: Denn Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht.“ Genau deshalb wurde im Mittelalter der Frau der Name Veronika gegeben: lateinisch vera iconica, also wahre Ikone, wahres Bild Jesu. Offensichtlich geht es gar nicht in erster Linie um das Abbilden des Gesichts Jesu auf dem ihm hingereichtem Tuch, sondern es geht darum, dass die Menschen, wir also, selber ein Abbild Jesu, ein Bild Gottes sein sollen. Denn genau so wurde der Mensch erschaffen: als ein Bild Gottes. Und als Bild Jesu und Gottes sind wir gehalten, uns um die Leidenden, Armen, Elenden und von allen Gemiedenen zu kümmern.  Genau das macht hier bespielhaft Veronika. Sie wendet sich einem im wirklichen Elend befindlichen Menschen zu und versucht, sein Leiden zu lindern; ja auch, ihm ihre Nähe zu schenken. Genau dazu will uns diese Kreuzwegstation aufrufen und erinnern: Werde Mensch, sei ein Bild Jesu, versuche es wenigstens zu sein. 

Wir wollen beten:
Guter Gott, das Elend, das wir Tag für Tag durch Presse und Fernsehen mitbekommen, wollen wir nicht dir anlasten, allein dir in die Verantwortung geben. Lass uns sehen, wo wir selber helfen können, Veränderungen zu bewirken, und seien sie noch so bescheiden. Hilf uns, immer mehr dein Bild zu werden. 
Zu dir rufen wir: Erbarme dich unserer Unvollkommenheit.
GL 156 Kyrie…

Zugehörige Liedstrophe:
Geliebter Heiland, Mann der Schmerzen, ach, zeige mir dein Angesicht
und präg es ab in meinem Herzen, o Jesus, meiner Seele Licht.

 

7. Station: Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz

Im atl. Buch Kohelet lesen wir (Koh 4,9f):
Zwei sind besser als einer allein, falls sie nur reichen Ertrag aus ihrem Besitz ziehen. Denn wenn sie hinfallen, richtet einer den anderen auf. 
Doch wehe
dem, der allein ist, wenn er hinfällt, ohne dass einer bei ihm ist, der ihn aufrichtet.

Bildbetrachtung: 
Wir sehen nur Christus, wie er unter dem Kreuz am Boden liegt.
Die Römer, seine Häscher, sind nicht zu sehen. Noch erstaunlicher ist, dass niemand da ist, um Jesus zu helfen.
Aber ist es nicht auch die Erfahrung, ist es nichts Neues, dass es kaum Menschen in der Nähe gibt, wenn ein anderer Mensch am Boden liegt und Hilfe braucht? Dass sich die anderen davonstehlen, weil sie nichts damit zu tun haben wollen, um nicht mit hineingezogen zu werden.
Trotz der schmerzenden Last steht Jesus im Vertrauen auf Gott wieder auf, um seinen Weg weiterzugehen.
Und wie ist es mit uns? Vertrauen wir darauf, dass Gott immer bei uns ist und hilft, auch dann noch, wenn uns alle auf unserem Weg verlassen haben?
Auf wen sonst sollten wir unsere Hoffnung setzen? Gott trägt unsere Last mit, damit wir nach einem Fall wieder aufstehen und weitergehen können.

Wir wollen beten:
Guter Gott,
hilf uns zu helfen, wenn ein anderer unsere Hilfe braucht. Bewahre uns davor, wegzuschauen, wenn jemand aufgrund schwerer Schicksalsschläge am Boden liegt. Und hilf auch uns selber, wieder aufstehen zu können, wenn unser Kreuz uns zum Boden gedrückt hat.
Zu dir rufen wir: Erbarme dich unserer Unvollkommenheit.
GL 156 Kyrie…

Zugehörige Liedstrophe:
Mit welcher Mühe und Beschwerde trägt Jesus seines Kreuzes Last,
doch abermals stürzt er zur Erde und büßt, was du verschuldet hast.

 

8. Station:  Jesus begegnet den weinenden Frauen

Beim Evangelisten Lukas lesen wir (Lk 23,27-31):
Es folgte ihm eine große Menge des Volkes, darunter auch Frauen, die um ihn klagten und weinten. Jesus wandte sich zu ihnen um und sagte: Töchter Jerusalems, weint nicht über mich; weint vielmehr über euch und eure Kinder! Denn siehe, es kommen Tage, da wird man sagen: Selig die Frauen, die unfruchtbar sind, die nicht geboren und nicht gestillt haben. Dann wird man zu den Bergen sagen: Fallt auf uns! und zu den Hügeln: Deckt uns zu! Denn wenn das mit dem grünen Holz geschieht, was wird dann erst mit dem dürren werden?

 Bildbetrachtung:
 Und damit wir es nicht vergessen: „Das ist ein Kreuzweg!“ und wie es Felix Müller sagt: „Jeder muss   seinen eigenen Kreuzweg gehen!“ und vielleicht deshalb wird jedes Bild durch die Größe des Kreuzes nach allen Seiten begrenzt und festgelegt. So hat es für mich auch etwas, das Wichtiges eingrenzt, indem es auf das Wesentliche hindeutet. Dominant nur die dunklen Farben des Kreuzes, alles andere verschwindet, wie Felix Müller es ausdrückt, in grauweißem Staub. Die Gesichter und Hände sind hölzern, maskenhaft, alles andere verschwindet in der Eintönigkeit. Christi Hände wollen den Frauen zeigen: Was soll ich Euch sagen, schaut her, weint nicht über mich, denn mein Weg ist vorgegeben, weint über das Leid eurer Kinder.
Doch dabei soll es nicht belassen werden. Denn das Klagen ändert unseren Lebensweg nicht; aber es kann uns aus der Starre herausführen, wie es im Augenblick z.B. im Iran geschieht. Erkennen die Frauen, was mit ihren Söhnen und Töchtern passieren kann? Durch Ausgrenzung, Verfolgung, durch Krieg, Gewalt und Folter, durch Verschleppung und Vergewaltigung. Das Leid als Antriebsfeder. Um zu sagen, ich will das verhindern. Ich möchte mein möglichstes dazutun, damit so etwas nicht geschehen kann. Ohnmächtig bin ich nur, wenn ich teilnahmslos bleibe, gleichgültig gegenüber den Ereignissen. Doch Jesus hat die Kraft  und den Mut, und daran können wir uns ein Beispiel nehmen.

Wir wollen beten:
Angesichts des Leids und der herrschenden Unsicherheit zeigst du uns einen Weg, einen Weg, den du mit allen Konsequenzen gegangen bist, dir selbst immer treu geblieben, trotz mancher Selbstzweifel. Denn wer eigene Wege geht, geht einsame Wege. Sei du uns Ansporn und Mutmacher zugleich, um uns aus unserer Trägheit herauszuholen. 
Zu dir rufen wir: Erbarme dich unserer Unvollkommenheit.
GL 156 Kyrie…

Zugehörige Liedstrophe:
Allzeit will ich die Sünd bereuen, sie ist, o Jesus, deine Pein.
Mehr als den Tod will ich sie scheuen; dann wirst du, Herr, mir gnädig sein.

 

9. Station: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

Im Buch der Psalmen lesen wir (Ps 88,4-5, Ps 94,3 u. Ps109,3-4a):
… mit Leid ist meine Seele gesättigt, mein Leben berührt die Totenwelt. Schon zähle ich zu denen, die hinabsteigen in die Grube, bin wie ein Mensch, in dem keine Kraft mehr ist. (Ps 88,4-5)
Wie lange noch dürfen die Frevler, Herr, wie lange noch dürfen die Frevler frohlocken? (Ps 94,3)
[Sie] umgeben mich mit Worten des Hasses und bekämpfen mich grundlos. Sie klagen mich an für meine Liebe… (Ps109,3-4a)

Bildbetrachtung:
Übermächtig steht das Kreuz im Zentrum des Bildes. Im Hintergrund erkennen wir sorgsam angeordnete Steine. Ist es eine Mauer, durch die es keine Tür, keinen Ausweg für Jesus aus seiner derzeitigen Situation gibt?
Oder ist es der Straßenbelag auf Jesu Kreuzweg, auf dem wir ihn zusammengekrümmt liegen sehen. Es scheint, als ob wir die Szene aus der Vogelperspektive betrachten:  Jesus liegt mit dem Rücken auf der Erde – man erkennt nur den Kopf und den Oberkörper bis zur Hüfte, die Beine werden nur angedeutet. Ein Arm liegt flach auf der Erde, mit der Hand des anderen Armes scheint Jesus sich am Kreuz festklammern zu wollen. Doch die Hand greift ins Leere.
Jesus ist physisch wie psychisch am Boden: Seine körperlichen Kräfte sind erschöpft, er kann nicht mehr weiter und auch mental mag er sich fühlen, wie es der Psalmist beschreibt.
Auf dem Bild ist nur Jesus zu sehen – allein! Weder Helfer, Klageweiber, Soldaten oder Lästerer sind dargestellt. Das ist das Schlimmste: sich mutterseelenallein zu fühlen.

Wir wollen beten:
Guter Gott,
keiner von uns ist gerne allein oder möchte sich allein fühlen. Und doch kommt es vor, dass wir manchmal – bewusst oder unbewusst – Menschen isolieren, in eine Ecke stellen und sie so alleine lassen. Mach uns sensibel für die Situationen, in denen wir in dieser Gefahr schweben und befähige uns, auf unsere Mitmenschen zuzugehen.
Zu dir rufen wir: Erbarme dich unserer Unvollkommenheit
GL 156 Kyrie…

Zugehörige Liedstrophe:
Du willst zum dritten Male fallen, doch deine Lieb erlieget nicht;
sie hilft mit reichen Gnaden allen, wenn unsre Kraft zusammenbricht.

 

10. Station:  Jesus wird seiner Kleider beraubt

Beim Evangelisten Lukas lesen wir (Lk 6,29):
Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin, und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd. 

Bildbetrachtung:
Zunächst sitze ich ratlos vor diesem Bild. Das Gewand hängt über dem Querbalken. Jesus hält seine Hände wie abwehrend vor seinem Gesicht, schützend vor weiteren Übergriffen. Er neigt seinen Kopf zur Seite. Jetzt ändert sich für Felix Müller die Bildkomposition. Jetzt ist nicht mehr das Kreuz dominant, sondern das, was mit Jesus geschieht. Auch in den nachfolgenden Kreuzwegstationen tritt das Kreuz mehr in den Hintergrund. 
Mit der zehnten Station steht ein nackter, entblößter Jesus vor uns. Jetzt hat er nichts mehr, was er hergeben kann, von dem er sich trennen kann. Das Volk aber hat ihn verspottet, hat ihn herausgefordert: Er soll sich jetzt doch selbst helfen. Aber die Ergebenheit in sein Schicksal hat die Menge nur noch wütender gemacht. Und damit hat er ihnen den Stachel gezogen. Sie haben keine Macht mehr über ihn. Ihr Zorn ist jetzt sinnlos und äußert sich darum in Gewalt. Schutzlos steht er da, wer hilft ihm jetzt? Wo ist Gott, der eingreift, der das Unheil verhindern könnte, ist die berechtigte Frage? Der die ganzen Kriege, das ganze Leid in dieser Welt einfach so geschehen lässt. Aber hat er nicht den Menschen den freien Willen gelassen, um den Lauf der Dinge selbst zu bestimmen? Die Frage geht aber auch uns an. Lassen wir es zu, sehen wir weg, wenn Menschen gedemütigt oder erniedrigt werden? Ducken wir uns weg oder bleiben wir gleichgültig? All das kostet Kraft, Mut und Energie, um sich zu behaupten. Wie oft bleibt nur Resignation und der Satz: „Es bringt doch eh nichts.“ Und wie Felix Müller sagt: „Ein Kreuzweg ist kein Spazierweg, kein Weg der in bunte und schöne Farben gehüllt ist. Er soll keine Freude machen“. Er muss uns an die Not und das Elend der Menschen erinnern.

Wir wollen beten:
Jesus werden die Kleider weggenommen. Nichts bleibt ihm mehr, kein Leid bleibt ihm erspart. Herr Jesus Christus, bewahre uns davor, andere bloßzustellen. Wecke in uns die Achtung vor der Würde des Anderen. Nicht immer sind wir bestrebt, die Schwächen der anderen zuzudecken. Mach uns Mut, das Gesetz der gleichen Würde aller Menschen überall zu achten.
Zu dir rufen wir: Erbarme dich unserer Unvollkommenheit.
GL 156 Kyrie…

Zugehörige Liedstrophe:
Das Kleid wird Jesus abgerissen; aus allen Wunden fließt das Blut;
so muss dein Heiland für dich büßen, sieh, was die Liebe für dich tut.

 

11. Station: Jesus wird ans Kreuz genagelt

Hören wir aus dem Brief an die Philipper (Phil 2,6-8):
Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich.Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.

Bildbetrachtung:
Wir sehen hier nicht die gewohnte, dramatische Szene des „Kreuzannagelns“ mit Werkzeugen, Nägeln oder leidverzerrten Gesichtern. Stattdessen konzentriert sich der Künstler auf einen einzigen, stillen Moment: den ausgestreckten Arm Jesu, der über das Kreuz gelegt wird.
Das Kreuz wirkt fest, unbeweglich. Der menschliche Arm dagegen ist verletzlich, lebendig. In diesem Moment geschieht noch nichts – und doch ist alles entschieden. Es ist der Moment unmittelbar vor dem Schmerz, vor dem Nagel. Das Leiden wird nicht gezeigt, sondern angedeutet.
Jesus wird nicht festgehalten.
Er legt sich hin.
Er gibt sich hin.
Diese Darstellung zeigt nicht nur das passive Erdulden Jesu, sondern auch seine bewusste Hingabe. Der Arm wird nicht gewaltsam gepackt – er liegt bereits auf dem Kreuz. Das Bild spricht vielleicht von Zustimmung im Leiden, von einer Entscheidung zur Liebe bis zum Äußersten.
Ich stell mir die Frage: Wo werde ich festgelegt, worauf festgenagelt? Wo erlebe ich Ohnmacht? Und wo lege ich – vielleicht still – mein eigenes Leben auf ein Kreuz, das ich mir nicht ausgesucht habe?

Wir wollen beten:
Jesus Christus,
du legst dich auf das Kreuz, nicht aus Zwang, sondern aus Liebe.
Du kennst den Moment vor dem Schmerz, die Angst, das Zögern, das Stillhalten.
Wir bringen dir die Kreuze unseres Lebens, die wir nicht gewählt, nicht gewollt haben und die wir dennoch tragen.
Schenke uns Vertrauen und sei uns nahe, wenn wir stillhalten müssen.
Zu dir rufen wir: Erbarme dich unserer Unvollkommenheit.
GL 156 Kyrie…

Zugehörige Liedstrophe:
Du darfst nicht über Leiden klagen, bedenke, Christ, für dein Schuld
wird Jesus an das Kreuz geschlagen; er schweigt und leidet mit Geduld.

 

12. Station: Jesus stirbt am Kreuz

Matthäus schreibt über die Todesstunde Jesu: (Mt 27,45-50):
Von der sechsten Stunde an war Finsternis über dem ganzen Land bis zur neunten Stunde.
Um die neunte Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme: Eli, Eli, lema sabachtani?, das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten: Er ruft nach Elija.
Sogleich lief einer von ihnen hin, tauchte einen Schwamm in Essig, steckte ihn auf ein Rohr und gab Jesus zu trinken. Die anderen aber sagten: Lass, wir wollen sehen, ob Elija kommt und ihm hilft.
Jesus aber schrie noch einmal mit lauter Stimme. Dann hauchte er den Geist aus.

Bildbetrachtung:
Hören wir uns zuerst hierzu die Gedanken von Felix Müller zu dieser Station an:
Herausheben will ich hier nur die 12. Station: mit der großen, roten Sonne die wie der Leidenskelch selbst sich dem Beschauer darbietet. Diese Station ist auch die erhabenste in der Form. Sie ist der Höhepunkt des Ganzen. 
Wir erkennen, dass der Kopf mit der Dornenkrone nach vorne gesunken ist, Jesus hängt mittig im Kreuz in der unteren Hälfte des Bildes.  Man erkennt, dass Jesus hier am Kreuz gestorben ist und tot und schlaff nur noch von Nägeln gehalten wird. 
Die obere Hälfte des Bildes wird von der roten Sonne dominiert.
So wie die Sonne jeden Tag aufs Neue aufgeht, gibt es für uns die Hoffnung, dass auch wir in Jesus Christus dereinst neu auferstehen werden. 
Der Tod ist für uns Christen nur ein Zwischenschritt und nicht das Ende.

Wir wollen beten:
Guter Gott, 
gib allen Kranken und Verzweifelten die Kraft, an die frohe Botschaft unseres Herren zu glauben und lass uns danach streben, unser Leiden wie Dein Sohn zu ertragen.
Zu dir rufen wir: Erbarme dich unserer Unvollkommenheit.
GL 156 Kyrie…

Zugehörige Liedstrophe:
Du, Jesus, bist am Kreuz gestorben, aus Liebe wählst du diesen Tod.
So hast Du mir das Heil erworben; o ewig lieb ich dich, mein Gott.

 

13. Station: Jesus wird vom Kreuz genommen

Bei Johannes können wir lesen (Joh 19,25.38f):
Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas und Maria von Magdala…
Josef von Arimathäa war ein Jünger Jesu, aber aus Furcht vor den Juden nur im Verborgenen. Er bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu dürfen, und Pilatus erlaubte es. Also kamer und nahm den Leichnam ab. Es kam auch Nikodemus, der früher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hat

Bildbetrachtung:
Das unglaubliche Leiden Jesu hat ein Ende gefunden.
Die beiden Männer haben den Leichnam Jesu vom Kreuz genommen und seiner Mutter in die Arme gelegt. Das Kreuz, das über lange Zeit den Kreuzweg dominiert hat, ist in den Hintergrund gerückt, um dem zu Tode gebrachten Jesus mit seiner Mutter in den Vordergrund zu setzen. Jesus liegt in den Armen seiner Mutter. Die Mutter versucht, mit den Händen den geschundenen Körper zu schützen. Gleichzeitig stellt sie zwischen den Fingern ihrer beiden Hände die Wundmale in den Mittelpunkt. Die Intension des Künstlers, so schreibt er über seinen Kreuzweg: „Ein Kreuzweg ist kein Spaziergang, kein Weg, der in schönen bunten Farben gehüllt ist. Er soll keine Freude machen.  Er muss notgedrungen an Schmerzen erinnern, an Staub, Steine, an brennenden Durst, an Passion.“
Das schreckliche Leid dieses Kreuzweges haben Menschen zu verantworten.
Im Nachgang hat die Geschichte immer ein vernichtendes Urteil über all die Gräueltaten dieser Menschen gesprochen. Wie viele Kreuze, wie viel Leid muss die Menschheit noch ertragen, damit sich diese menschenverachtende Einstellung ändert.

Wir wollen beten:
Guter Gott, 
wenn wir täglich die Nachrichten hören, den Irrsinn und das daraus resultierende Elend sehen, dann hilf uns, diese schiere Ausweglosigkeit zu sehen und nicht als gegeben zu akzeptieren. 
Hilf uns immer wieder aufs Neue dagegen anzukämpfen.
Zu dir rufen wir: Erbarme dich unserer Unvollkommenheit.
GL 156  Kyrie…

Zugehörige Liedstrophe:
Ich liege, Mutter, dir zu Füßen, nimm gnädig an mich als dein Kind;
o lass mich Jesu Wunden küssen und weinen über meine Sünd.

 

14. Station: Jesus wird ins Grab gelegt

Hören wir aus dem Evangelium des Matthäus (Mt 27,57-61):
Gegen Abend kam ein reicher Mann aus Arimathäa namens Josef; auch er war ein Jünger Jesu. Er ging zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Da befahl Pilatus, ihm den Leichnam zu überlassen. Josef nahm den Leichnam und hüllte ihn in ein reines Leinentuch. Dann legte er ihn in ein neues Grab, das er für sich selbst in einen Felsen hatte hauen lassen. Er wälzte einen großen Stein vor den Eingang des Grabes und ging weg. Auch Maria aus Magdala und die andere Maria waren dort; sie saßen dem Grab gegenüber.

Bildbetrachtung:
Wir sehen die Kreuzigungsgruppe auf Golgota im Hintergrund mit den drei Kreuzen. Besonders ist hier, dass diese drei Kreuze vom Künstler gleich groß dargestellt werden. Die Kreuze stehen im Hintergrund zwischen vier Frauen, drei sehen nach rechts und eine nach links, die Köpfe gesenkt. Die Frauen sind alle seitlich dargestellt, die Gesichter seitwärts zu dem Betrachter gerichtet.  Der Leichnam Jesu liegt bereits in ein Leinentuch gehüllt auf felsigem Grund vor den Frauen, den Kopf etwas erhöht.  

Wir wollen beten:
Guter Gott,
auch wir haben wohl schon einmal Abschied nehmen müssen von einem uns lieb gewordenen Menschen. 
Die Trauer in diesen Momenten ist häufig schwer zu ertragen. Aber wir können durch unseren Glauben Kraft schöpfen und wissen, dass auch wir durch Jesus Christus dereinst auferstehen werden und uns die Verstorbenen nur voraus gegangen sind.
Zu dir rufen wir: Erbarme dich unserer Unvollkommenheit.
GL 156  Kyrie…

Zugehörige Liedstrophe
Ich will mit dir, o Jesus, sterben der Welt, dem Fleisch, der Eitelkeit;
nur so kann ich das Heil erwerben, nur so eingehn zur ewgen Freud.

 

Gebet der Gemeinde:
Jesus Christus,
wir sind den Weg deines Leidens mitgegangen – Schritt für Schritt, Bild für Bild.
Nicht das Laute hat uns angesprochen, sondern das Zurückgenommene.
Nicht das Dramatische, sondern das,was still ausgehalten wird.
Wir haben menschliche Verletzlichkeit gesehen und deine Nähe darin gespürt.
Du gehst den Weg nicht über uns hinweg, du gehst ihn mit uns.
Wir bringen dir, was schwer auf uns liegt:
unsere Fragen ohne Antwort,
unsere Ohnmacht,
unsere Angst vor dem, was wir nicht ändern können.
Schenke uns einen Blick, der das Leid sieht, ohne wegzuschauen.
Ein Herz, das mitträgt, ohne zu verurteilen.
Und eine Hoffnung, die bleibt, auch wenn Worte fehlen.
Du bist den Weg bis zum Ende gegangen.
Darum vertrauen wir dir auch das Unsere an -
heute und alle Tage unseres Lebens.
Amen

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Wir danken den Verantwortlichen des Felix-Müller-Museums in Neunkirchen am Brand, wo wir von Dr. Regina Urban eine ganz hervorragende Einführung in Leben und Werk des Künstlers bekommen haben.

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